Mai 3

Von der leeren Müslipackung zum vollen Bewusst-Sein: Was ist Bewusstseinsarbeit?

Von der leeren Müslipackung zum vollen Bewusst-Sein: Was ist Bewusstseinsarbeit?

Aufstellungsarbeit, Bewusstseinsarbeit | 3. Mai 2024

Kennst du auch so Trübe-Tassen-Tage, da steht man morgens irgendwie mit dem falschen Fuß auf und es ist graues Regenwetter, und der Tag wenig aufregend, vielleicht mit ein paar anstrengenden Meetings vollgepackt oder auch gar nichts Besonderem? Und dann ist die Müslipackung leer, und man denkt sich schon, der Tag ist gelaufen, obwohl er noch gar nicht angefangen hat? Und eigentlich weiß man gar nicht, was los ist, weil, herrje, es scheint auch wieder die Sonne und statt dem Müsli könnte man sich ja auf dem Weg auch einfach noch ein Brötchen besorgen?

Und an anderen Tagen springt man aus dem Bett, es ist trübes Wetter, es stehen anstrengende Meetings an und die Müslipackung ist vielleicht leer, und vielleicht hat die Bahn noch Verspätung und wir kommen abgehetzt zur Arbeit, aber wir sind blendend gelaunt, freuen uns auf den Tag, könnten Gott und die Welt umarmen, ertappen uns dabei, wie innerlich „unser Song“ spielt, und das Gefühl von gespannter Erwartung trägt uns in den Tag, weil  - wer weiß schon, was heute Geiles passieren könnte? Und rein äußerlich unterscheidet sich eigentlich gar nichts vom Trübe-Tassen-Tag?

Alles eine Frage des Bewusstseins?

Jap, kenne ich auch. Und Gott sei Dank ist das nicht gleich ein Zeichen dafür, dass wir manisch- depressiv sind, sondern, dass unser Bewusstsein jeweils einfach „auf verschiedenen Leveln spielt“. Warum grinsen wir das Regenwetter und die leere Müslipackung an manchen Tagen einfach fröhlich weg, während wir uns an anderen müslilosen Regenwetter-Tagen am liebsten wieder ins Bett verkriechen möchten? Natürlich ist die Müslipackung hier als Platzhalter für all das zu verstehen, was uns manchmal aus der Fassung bringen kann – und manchmal eben auch nicht. Warum also bekommen wir manchmal einen Nervenzusammenbruch, wenn wir den Bus verpassen, an anderen Tagen aber einen Lachanfall? Alles eine Frage des Bewusstseins-Levels, auf dem wir gerade operieren.

Was ist Bewusstsein überhaupt?

Ich finde ja, unser Bewusstsein ist etwas Faszinierendes. So richtig erklären können wir es nicht. Sicher, Wissenschaftler ringen um die wissenschaftliche Theorie, die erklären kann, was in unserem Gehirn passieren muss, damit unser Bewusstsein zustande kommt. Damit wir z.B. erleben können, wie sich eine warme Sommerbrise auf der Haut anfühlt, oder darüber nachdenken können, was wir letzten Sommer gemacht haben, und wie schön es wäre, wenn wir jetzt an einem Strand liegen könnten.

Aber auch, damit wir uns fragen können, warum wir uns ausgerechnet jetzt eigentlich gerade an letzten Sommer erinnern, und ob der Sommer toll oder nicht so dolle für uns war (oder warum wir wegen der leeren Müslipackung heute morgen eigentlich so ausgerastet sind… ). Und wenn wir uns bewusst werden, dass wir gerade an das bevorstehende unangenehme Gespräch mit dem Vorgesetzten denken und sich das nicht so prickelnd anfühlt, können wir unsere Gedanken auch lenken und uns gezielt wieder an letzten Sommer erinnern, weil sich das besser anfühlt. Ob das die richtige Strategie ist, mit der Situation umzugehen, ist eine andere Frage, über die wir natürlich auch wieder nachdenken können. Aber nur, wenn wir uns überhaupt bewusst geworden sind, dass wir vielleicht gerade die Auseinandersetzung mit einem unangenehmen Gefühl vermeiden, und dass wir überhaupt die Wahl haben, unsere Gedanken zu lenken.  Soweit, so kompliziert.

Aus spiritueller Sicht ist Bewusstsein nicht die Folge von irgendwelchen Prozessen im Gehirn, sondern das Bewusstsein war zuerst da – es existiert unabhängig vom Körper und über den Tod hinaus. Aus dieser Sicht können wir lange nach Prozessen im Gehirn suchen – die sind zwar da und auch messbar, aber sie sind nicht die Ursache für unser Bewusst-Sein. Und da wird es dann spannend. Denn das könnte ja bedeuten, dass wir, wenn wir mit unserem Bewusstsein arbeiten, vielleicht ein klitzekleines bisschen ebenfalls unabhängig von unserem Körper werden und über den Tod hinaus gehen können – im Leben quasi. Wow - Mindblowing!

Was ist Bewusstseinsarbeit?

Was also, wenn wir mit unserem Bewusstsein so arbeiten können, dass wir es entwickeln und darüber viel besser verstehen können, wer wir (wirklich) sind, und was uns ausmacht? Wenn wir bewusstseinserweiternde Erfahrungen machen, die uns unserer wahren Natur näherbringen können? In diesem Sinne ist Bewusstseinsarbeit einfach alles, was uns unserer Selbst – und allem, was damit zusammenhängt - bewusster werden lässt, egal, ob das jetzt mittels Trancereisen, Aufstellungsarbeit, einer Meditations- oder sonstigen spirituellen Praxis – oder einfach dem Leben und seinen Erfahrungen selbst - geschieht.

Und das ist keine Ego Sh***Show – bei der es nur um „Ich! Ich! Ich!“ geht, sondern die Grundlage eines Lebens im Einklang mit unserer wahren Natur. Und wenn du dich jetzt fragst - was ist denn nun bitte wieder meine wahre Natur? Herzlich Willkommen im Club der Menschheit! Zumindest der Menschen, die sich bewusst werden wollen: genau dieser Frage können wir mit Bewusstseinsarbeit auf die Spur kommen.

Was bringt mir Bewusstseinsarbeit denn nun konkret?

Und vielleicht sagst du dir jetzt: „Äh, ja, das ist ja alles schön und gut mit wahrer Natur und so, und mit Selbsterkenntnis und das allem, ist bestimmt wichtig, aber ich hab hier halt auch meinen Job zu machen, meine Steuern zu bezahlen und mein Leben auf die Reihe zu bekommen, was bringt mir das denn im Hier und Jetzt?“ I hear you! Denn klar, das wirkt auf den ersten Blick erstmal überhaupt nicht praktisch umsetzbar. Okay. Schritt zurück:

Deutlicher wird es vielleicht, wenn wir uns bewusst machen (hehe), was es bedeutet, wenn wir uns unserer Selbst wenig bewusst sind, und keine Ahnung haben, wer wir sind: wir können unsere eigene innere Wahrheit nicht fühlen, haben keinen inneren Kompass, nach dem wir uns richten können und werden so wie ein Fähnchen im Wind, das sich nach der vorherrschenden Meinung richtet, ständig Halt und Sicherheit im Außen sucht, nicht weiß, was wann zu tun ist, sich nicht entscheiden kann, nicht in die Aktion kommt oder leicht manipulierbar ist. Puh!

Gerade in einer Zeit, in der jede Nichtigkeit in der öffentlichen Debatte zu einer riesigen Kontroverse hochkochen kann, in der scheinbar jeder einem seine persönliche Wahrheit gefragt und ungefragt um die Ohren haut, in Zeiten von öffentlich (und manchmal weniger öffentlich) Lügen verbreitenden Narzissten, von KI-generierten Videos, und gezielt gestreuter Desinformation an allen Ecken und Enden, in denen man gar nicht mehr weiß, was man noch glauben soll, ist es wichtiger denn je, dass wir einen inneren Kompass entwickeln und uns nicht auf irgendwelche selbsternannte Fact Checker verlassen müssen.

Ein Mensch mit erweitertem Bewusstsein ist in seiner Power, nicht abhängig von der Meinung anderer, weiß, was er oder sie will, kann gleichzeitig aber auch Kompromisse eingehen, und andere in sein oder ihr Denken und Handeln mit einbeziehen, fühlt sich nicht bedroht von der Meinung oder Wahrheit anderer und kann diese stehen lassen, kann reife Beziehungen führen, kann Liebe zulassen sowohl im Geben als auch im Nehmen, hat ein offenes Herz und Vertrauen in die eigene Intuition, kennt seinen Purpose im Leben und den eigenen Platz und die Aufgabe in dieser Welt, kann mit den eigenen Emotionen und denen anderer reif umgehen, aber auch Grenzen setzen, wo nötig, denn er oder sie kennt die eigenen Grenzen genauso wie die eigenen Bedürfnisse.

So ein Mensch kann um Hilfe bitten, wenn nötig, muss sich nicht über andere erheben, sich besser fühlen als andere, andere dominieren oder klein machen oder über andere lustig machen… you get the picture. Die Liste ließe sich endlos weiterführen. Und es wird schnell klar – wir reden hier natürlich von einem Idealzustand, einem Potenzial, dem wir uns annähern können, das vielleicht auch gar nicht so unerreichbar ist, wie unser Ego uns glauben machen will – aber das wir wahrscheinlich auch nie zu 100 % und jederzeit verkörpern werden.

Daher wird auch klar, dass so ein Mensch, der oder die sich selbst gut kennt, und sich seiner Selbst bewusst ist mit all den Facetten, die vielleicht weit über sein oder ihr Leben im Hier und Jetzt hinausgehen, auch den eigenen Schatten kennt. Dass er oder sie die eigenen sogenannten Fehler und Schwächen kennt, aber auch die eigene – vielleicht auch traumatische - Geschichte, und gleichzeitig weiß, dass er oder sie mit diesen Fehlern, Schwächen und Verletzungen nicht alleine ist, sich nicht dafür schämen muss. Dass er oder sie sich diese Fehler und Wunden einfach ganz unaufgeregt und ohne Scham – vielleicht auch mit einem zwinkernden Auge – anschauen und vielleicht auch an ihnen arbeiten kann. Ohne dass ihn oder sie das irgendwie weniger wertvoll macht als Mensch.

Vom „Ich! Ich! Ich!“ zum „Wir“

Und schließlich: Ein entwickeltes Bewusstsein weitet sich und beginnt nicht mehr nur sich selbst zu sehen, sondern sich als Teil von etwas Größerem zu begreifen. Man fragt sich nicht mehr nur, was ist das Beste für mich? Sondern beginnt zu fragen: was ist das Beste für uns alle? Und was kann ich dazu beitragen?

So ist zum Beispiel ein netter Nebeneffekt von Aufstellungsarbeit, dass wir Mitgefühl entwickeln können – Mitgefühl nicht nur für uns selbst, auch für die wahrgenommenen Fehler und Schwächen unserer Mitmenschen, denn wir verstehen, dass diese eine Geschichte haben und nichts von Ungefähr kommt. Wenn wir einmal „im System“ eines anderes gestanden haben, als Repräsentant für dessen narzisstische Mutter, oder für deren im Krieg gefallenen Vorfahren oder den geheilten Ahnen, den es vor dem Familientrauma gegeben hat und der vielleicht noch die uralte Weisheit unserer keltischen Vorfahren verkörpert hat, oder wenn wir in einem System mal auf beiden Seiten eines Krieges oder Konflikts gestanden haben– wir beginnen durch viele Augen eine Situation zu sehen. Gleichzeitig treten wir hinaus aus Raum und Zeit und schauen wie aus der Vogelperspektive - und das lässt uns verstehen und weit werden im Geist wie im Herzen.

Und genau das ist es, was ein erweitertes Bewusstsein auch ausmacht: wir beginnen, die Welt nicht nur durch den sehr limitierten Filter unseres Ego-Bewusstseins im Hier und Jetzt zu betrachten, wir weiten unseren Betrachtungs-Winkel wie ein Kamera-Objektiv, das auf das ganze Panorama eingestellt ist, statt nur auf einen kleinen Ausschnitt zu fokussieren. Und dieses erweitere Bewusstsein ist es, was uns Gelassenheit schenken kann, Frieden finden lässt, nicht so sehr verhaften lässt in unserer kleinen und oft sehr limitierten „Story“ von der Welt, mit der wir eine Situation bewerten. Gleichzeitig lernen wir, damit umzugehen, dass wir nicht alles kontrollieren können, denn es entwickelt sich ein Vertrauen, das von innen kommt – und einem niemand mehr im Außen geben muss.

Außerdem ist es ja oft so, dass wir in der Rolle, die wir repräsentieren, fast immer auch einen Teil von uns erkennen – und wenn er noch so klein ist, und selbst wenn wir scheinbar völlig unterschiedliche Geschichten haben – und wir beginnen zu verstehen, dass die Menschen um uns herum auch nicht so viel anders sind als wir – auch wenn es uns manchmal so vorkommt. Und in dem Moment, in dem wir uns weniger abgetrennt fühlen von unseren Mitmenschen, passiert etwas Magisches: mit der Verbundenheit treten wir aus der Illusion eines limitierten Ego-Bewusstseins heraus, das uns vorgaukelt, wir seien allein oder wertlos, müssten uns beweisen, irgendetwas Besonderes sein, um geliebt zu werden, besser sein als andere, irgendwen übertrumpfen, irgendwas erreichen, damit xyz passieren kann (xyz kann wirklich für so ziemlich alles stehen)….. Auch diese Liste ließe sich endlos weiterführen.

Leere Müslipackung oder volles Bewusst-Sein, das ist hier die Frage

Kehren wir zurück zur leeren Müslipackung am Trübe-Tassen-Tag. Ein erweitertes Bewusstsein – oder die Fähigkeit, unser Bewusstsein zu weiten – wird uns nicht immer vor diesen Tagen bewahren können. Aber es kann uns bewusst machen, wieviel mehr wir unser Erleben jeden einzelnen Tag doch in der Hand haben, als uns unser Ego gern einreden möchte, wie viel mehr Freude, Erfüllung, Bedeutung, innerer Frieden, Heilung, Verbundenheit, Mitgefühl und Liebe für uns möglich wäre, wer wir sein könnten – und uns in Situationen in unsere Power zurückholen, in denen wir früher den Nervenzusammenbruch bekommen hätten. Das wär doch einen Versuch wert, oder?

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