Juli 21

Wie können wir Loslassen? Und was bedeutet das überhaupt?

Wie können wir Loslassen? Und was bedeutet das überhaupt?

Bewusstsein, Bewusstseinsarbeit, Spiritualität | 21. Juli 2025

Wenn du dich auf einem spirituellen Weg befindest, hast du wahrscheinlich irgendwo irgendwann mal gehört, dass du loslassen musst. Deinen Groll z.B., alten Schmerz, Wut, deine Anhaftungen an deinen Job, eine Person oder ein bestimmtes Ergebnis, das du erreichen willst. Vielleicht auch deine Sucht nach Essen, Arbeit, Situationen, die nicht gut für dich sind, oder negativem Denken. Und es gibt noch so viele weitere Beispiele für Dinge, die man loslassen „sollte“, um zu heilen, um sich besser zu fühlen, um Frieden oder sogar Erleuchtung zu erlangen.

Ich hatte sicherlich meinen Anteil an Menschen oder Situationen, die ich loslassen musste. Und wenn es dir so geht wie mir, dann treibt es vielleicht auch deinen Puls in die Höhe, wenn du die Worte „Einfach loslassen“ auch nur zu hören bekommst - denn ich kann sie wirklich nicht leiden! Und je nachdem, wie es mir gerade geht, können sie mich auch sehr, sehr wütend machen. Denn mein ganzes System hat diese unschuldigen 3 Worte mit Schmerz assoziiert.

Bedeutet etwas „Loslassen“, dass man es „los wird“?

Und darüber habe ich heute nachgedacht - es ist doch mittlerweile wirklich eine Alltagsweisheit, dass man loslassen muss, um Frieden zu finden -  Dinge, Perspektiven, Ideen, Anhaftungen. Manchmal auch Jobs, physische Objekte oder Menschen, ja. Man muss nicht spirituell erleuchtet sein, um dieses Konzept zu verstehen: Werd einfach los, was dir Schmerz bereitet, und man gewinnt Frieden. Ganz einfach. Oder doch nicht?

Ich glaube, das Konzept des Loslassens wird sehr missverstanden. Und dieses Missverständnis erzeugt mehr Schmerz und - ironischerweise – Ego-Kontrollmechanismen als nötig. Warum glaube ich das? Lass mich erklären.

Wenn du „loslassen“ mit „etwas loswerden“ assoziierst, sagst du in Wirklichkeit „ich trenne mich von dieser Sache“. Und das ist Trennungsbewusstsein - genau das, was wir auf einem spirituellen Weg zu transzendieren versuchen! Kein Wunder, dass uns das noch mehr Schmerzen bereitet!

Unser ganzes System verkrampft sich, weil es sich auf die Auswirkungen einer (Ab-)Trennung vorbereitet. Und unsere Seele findet das ganz sicher auch nicht so prickelnd, denn in Wahrheit sind wir Wesen der Liebe, wir sind eins, verbunden durch die Essenz der Liebe, ja, wir sind die Liebe selbst. Wie um alles in der Welt kann es liebevoll sein, „etwas loszuwerden“, uns von etwas abzutrennen?

Ein liebevoller Ansatz des „Loslassens“

Ich möchte dir eine Frage stellen: Bedeutet das Loslassen einer Person, die du liebst, wirklich, dass du sie dir aus deinem Herzen reißen und nie wieder an sie denken sollst? Bedeutet das Loslassen eines alten Schmerzes oder Grolls, dass du ihn aus deinem Bewusstsein reißen und so tun sollst, als sei er nie geschehen oder als hätte dir das Ganze nie Schmerz bereitet? Nein, natürlich nicht! Aber ich glaube, dass viele Menschen bewusst oder unbewusst glauben, dass genau das von ihnen erwartet wird. Oder sie zumindest das Gefühl haben, dass es so ist. Und diesen Glauben hatte ich auch.

Aber ich habe gemerkt, dass es nicht funktioniert, die ominöse Kunst des Loslassens auf diese Weise anzugehen. Natürlich hat es das nicht! Wenn sich unser ganzes System im Widerstand verkrampft, schalten wir in den Überlebensmodus. Und Überlebensmodus bedeutet, dass wir anfangen zu kämpfen oder zu kontrollieren. Wir versuchen, uns selbst zum Loslassen zu überreden. Wir versuchen, die „anhaftenden“ oder „wütenden“ oder „nachtragenden“ Gedanken nicht zu haben. Wir versuchen, den Groll oder, schlimmer noch, sogar die Liebe zu der Person, die wir loslassen wollen, weil es „nicht geklappt hat“, NICHT zu haben. Aber wir können uns nicht ins Loslassen hineinkämpfen. Wir können uns nicht ins Loslassen hineindenken. Wir können unsere Seele, unseren Geist, unseren Körper nicht zwingen, loszulassen.

Was können wir dann tun? Wir brauchen dafür das Herz. Wenn wir loslassen wollen, müssen wir WEICHER werden, nicht HÄRTER. Am Loslassen ist nichts Hartes oder Schneidendes. Warum? Weil Loslassen bedeutet, Schmerz in Liebe zu verwandeln. Wir wandeln etwas, das für uns selbst nicht (mehr) funktioniert, in Liebe um. Das ist der einzige Ansatz, der auf lange Sicht funktioniert, wenn man versucht, etwas oder jemanden loszulassen. Deshalb wird es nicht funktionieren, wenn es nur vom Verstand ausgeht. Dazu braucht man das Herz. Ein offenes, um genau zu sein. Denn zum Loslassen gehört normalerweise Vergebung, Akzeptanz, Mitgefühl (mit sich selbst und anderen).

In der Alchemie des Herzens gibt es keine Täuschung

Das bedeutet übrigens nicht, dass wir keine Grenzen setzen können oder sollen. Es bedeutet nicht, dass wir nicht sagen oder tun können, was wir sagen oder tun müssen, um körperlich und mental gesund und sicher bleiben zu können - besonders, wenn es um toxische Situationen oder Beziehungen geht! Mitgefühl und alles, was wirklich authentisch aus dem Herzen kommt, ist schließlich in der Wahrheit verankert. Mitgefühl kann heftig und kraftvoll und gleichzeitig sanft und liebevoll sein. Am wichtigsten aber ist, dass man es nicht vortäuschen kann.

Aber das, was passiert, wenn wir unseren Schmerz durch die Alchemie des Herzens in Liebe umwandeln, ist, dass wir aufhören, zu kämpfen. Wir gehen in unsere Kraft, ja, aber nicht durch Kontrolle.

Denn wenn wir loslassen, lassen wir in Wirklichkeit nicht die Person oder die Umstände los, sondern unsere Vorstellung davon, die feste Umklammerung unseres Egos, unsere Anhaftung an ein Ergebnis vielleicht. Es kann gar nicht anders sein. Wir sind eine Essenz der Liebe und eins mit allem Leben. Wenn das so ist, wie können wir uns dann von etwas oder jemandem wirklich (ab-)trennen? Schließlich ist Liebe die einzige Wahrheit, und Trennung eine Illusion, wenn auch eine ziemlich überzeugende in dieser Welt.

Was wir wirklich loslassen

Wenn wir also einen Schmerz loslassen, negieren wir nicht den Schmerz.

Und wenn wir eine Person, eine Situation oder einen Job loslassen, die nicht mehr gut für uns sind, dann ist das, was wir wirklich loslassen, der Widerstand gegen eine Wahrheit, die wir schon längst erkannt haben, - der Widerstand gegen etwas, das bereits geschieht oder geschehen ist oder ohnehin geschehen würde.

Wir lassen eine Angst los, die sich hinter unserem Widerstand verbirgt: Was wird als nächstes passieren? Werde ich einen neuen Job finden? Werde ich jemals mein Glück finden? Was könnte möglicherweise das ersetzen, was ich hier loslasse? Was ist, wenn danach nichts mehr kommt? Was, wenn ich mit nichts zurückbleibe? Was, wenn ich meine Entscheidung bereuen werde?

Wenn wir loslassen, akzeptieren wir stattdessen die Tatsache, dass wir nichts wissen und auch nicht (alles im Voraus) wissen müssen. Das erfordert Vertrauen, nicht Kontrolle. Und wieder sehen wir, dass wir dafür das Herz brauchen.

Denn all diese Dinge, die wir brauchen, um etwas oder jemanden loszulassen - Akzeptanz, Mitgefühl, Vergebung, Vertrauen - sind Technologien des Herzens, und damit der Seele. Und das erfordert, dass wir uns unserem Herzen, der Seele, öffnen und uns nicht vor etwas verschließen. Es bedeutet Ausdehnung, nicht Kontraktion. Es bedeutet Einssein, nicht Trennung. Denn in der Trennung finden wir niemals den Frieden, den wir suchen.

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    1. Aw, thanks, Karen! Already posted the link in your group – you might not have seen it because you were at an airport somewhere 🙂 Have an amazing time!

  2. Thank You for this. I am struggling now the letting go of a family situation. The key points that spoke to me was ,
    1. Letting go in Love or Unity consciousness and not Seperation. I was doing it in a separation consciousness and it brought pain and uneasy emotions.
    2. I don't have to know the future or outcome when I let go. But have Faith! and Compassion for myself in the whole process.

    Thank You again for sharing.🌹

    1. Dear Pearl, so glad you got something out of it! Thank you for sharing your experience… sending you a warm hug for going through your process…this isn’t easy 🌹

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